Grundvoraussetzung jeder Sprachentwicklung ist das Hören. Das Hörvermögen wird bereits wenige Tage nach Geburt untersucht, die otoakustischen Emissionen (OAE). Im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen werden die Sprachentwicklung und die Hörwahrnehmung geprüft. Sollte jedoch ein Zweifel bestehen, dass das Baby/Kind nicht oder schlecht hört, so sollte der Kinder- oder HNO-Arzt aufgesucht werden. Generell sind Kommunikation und Zuwendung die beste Sprachförderung.

 

Vor der Geburt

Die Sprachentwicklung eines Kindes beginnt bereits im Mutterleib mit dem Wahrnehmen mütterlicher Sprachlaute.

 

Baby-Talk

Zunächst profitiert ein Kind insbesondere von der direkten Ansprache durch seine Eltern. Wählen Sie einfache Worte, betonen Sie die Vokale übertrieben, machen Sie längere Pausen, benutzen Sie einen höheren Tonfall, wiederholen Sie das Gesagte mehrmals und kommentieren Sie es mimisch oder durch Gesten, um die Aufmerksamkeit des Kindes zu wecken und die Bedeutung des Wortes verständlich zu machen, gerne in Kombination mit Berühren.  Dafür reichen oft schon wenige Minuten aus, z.B. beim Wickeln. Viele Eltern machen das rein instinktiv richtig.

Ab etwa einem halben Jahr steigt der Anteil an Worten, den das Kind begreift, rapide an. In dieser Phase unterstützen besonders Gesten den Spracherwerb. In dem Eltern auf etwas zeigen und dann die Bezeichnung dafür sagen, helfen sie den Wortschatz ihres Kindes zu erweitern. Einfache erste Bilderbücher unterstützen den Worterwerb und das Gegenstandsverständnis.

Berieselung aus dem Radio/Fernsehen/Tablet erzielt  diese Wirkung aber nicht, da hier kein Gesicht-zu-Gesicht-Kontakt besteht.

 

Kleinkind

Mit zwei Jahren verfügen Kinder durchschnittlich über einen Wortschatz von ca. 200 Ausdrücken – mit großen individuellen Unterschieden. Jetzt sind die Bilderbücher schon deutlich differenzierter und beschreiben einfache Szenen. Von zwei bis drei Jahren stimulieren die Eltern ihre Kinder, indem sie – z.B. zu Szenen im Kinderbuch – es einfache Fragen beantworten lassen. Reime, Verse und rhythmische Lieder machen besonders Spaß.

Ab drei Jahren verstehen Kinder kleine Geschichten und sie erfassen nun allmählich den Unterschied zwischen Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart. Die sogenannten „Wimmel“-Bilderbücher sind besonders geeignet. Auch die Gute-Nacht-Geschichte, die nicht zu  lang sein sollte, können Eltern dazu benutzen, die Kinder durch einfache Fragestellungen nacherzählen zu lassen. In diesem Alter beginnt auch die ‚Fragephase‘. Dann sollten Eltern nicht nur die Fragen ihres Kindes mit klaren Erklärungen beantworten, sondern auch selbst Warum- und Wie-Fragen stellen, die das Kind mit dem eigenen Wissen bereits beantworten kann. Vermeiden Sie die Wiederholung eines falsch ausgesprochenen Wortes (…“der hat das da reingetut“), sondern bieten sie das richtige Wort an (…“Ja, das hat er reingetan“).

Natürlich ist die Sprachentwicklung nicht bei jedem Kind gleich. Deutliche Abweichungen sind nicht gleich krankhaft und bedürfen einer Therapie, sollten aber unbedingt mit dem Kinder- und Jugendarzt abgeklärt werden. Und natürlich ist der Alltag von Eltern anstrengend und manchmal steht anderes im Vordergrund, aber ziehen Sie sich immer wieder auf Ihre gemeinsame Sprachinsel zurück und nehmen Sie sich etwas Zeit für Ihr Kind: Sie werden sehen, es kommt viel Wertvolles  zurück.

 

Weitere Informationen: www.kinderaerzteimnetz.de