Ines ist 2 Jahre alt. Bei der Vorsorgeuntersuchung U7 berichtet die Mutter, dass sie erst um 20 Uhr schläft und am nächsten Morgen um 7 Uhr topfit sei. Auch der Mittagsschlaf sei höchstens eine halbe Stunde und falle manchmal ganz aus. Dabei sei sie ein fröhliches Kind. „Ist das denn normal? Schadet die kurze Schlafenszeit nicht der Entwicklung meines Kindes?“

 

Probleme mit dem Schlafverhalten sind ein häufiges Thema in den Kinderarztpraxen und werden von uns zu den Vorsorgen auch explicit abgefragt. Mal gibt es Einschlafprobleme, mal klappt das Durchschlafen nicht aber wie viel Stunden soll ein Kind eigentlich Schlafen?

 

Jede Altersgruppe braucht ausreichend Schlaf. Er verbessert u.a. die Aufmerksamkeit, die Lernfähigkeit, fördert Ausgeglichenheit – er ist sowohl für die körperliche als auch die seelische Gesundheit wichtig. Insofern ist die Sorge von Ines Mutter grundsätzlich berechtigt, aber ist sie auch begründet?

 

Der Schlafbedarf ist altersabhängig und kann auch individuell sehr unterschiedlich sein, wie wir das auch bei Erwachsenen kennen. Babys zwischen vier Monaten und einem Jahr brauchen im Verlauf von 24 Stunden etwa 12 bis 16 Stunden Schlaf, Ein- bis Zweijährige benötigen ca. 11 bis 14 Stunden und Drei- bis Fünfjährige 10 bis 13 Stunden – einschließlich Vormittags- und Nachmittagsschlaf. Schulkinder zwischen sechs und zwölf Jahren sollten etwa 9 bis 12 Stunden in der Nacht schlafen und Jugendliche zwischen 13 und 18 Jahren 8 bis 10 Stunden Nachtruhe bekommen.

 

Wenn Eltern unsicher sind, ob ihr Kind genug schläft, kann ein Schlaftagebuch sehr hilfreich sein. Darin tragen sie drei Wochen lang ein, wann das Kind eingeschlafen ist, wie lange es geschlafen hat, wie oft es aufgewacht ist und unter welchen Bedingungen der Schlaf unterbrochen wurde. Kleine Kinder können bis zu einem Alter von fünf Jahren noch regelmäßig aufwachen, ohne dass eine Störung vorliegt. Der Kinder- und Jugendarzt kann u.a. anhand der Einträge des Schlaftagebuchs erkennen, ob evtl. Änderungen im Tagesablauf die Schlafqualität des Kindes verbessern können, ob weitere Maßnahmen erforderlich sind oder ob sich Eltern unnötig Sorgen machen. Oft reicht es aus, eine angenehme und ruhige Routine für die Schlafgehzeit und ein Einschlafritual zu schaffen.

 

Ines Mama kann beruhigt nach Hause gehen. Ihre Tochter ist nun mal ein quirliges, neugieriges Mädchen und will am Tag nichts verpassen. Ihre Schlafdauer reicht für eine normale Entwicklung aus.

Weitere Informationen unter: www.kinderaerzte-im-netz.de